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Ein Erfahrungsbericht von Christian Schober

Wie sieht es eigentlich mit Arbeit und Resozialisierung nach der Haft aus? Damit beschäftigen sich noch weniger, als mit dem problembeladenen Maßnahmenvollzug!

Ich habe viele Bewerbungen am Laufen, und ich darf mich an sich nicht beschweren. Nach zehn Jahren Haft habe ich noch immer meine eigene Wohnung. Allerdings kein Geld um diese zu sanieren, und wieder bewohnbar zu machen. Meinen Führerschein habe ich auch wieder. Ich bin am Donnerstag in die Fahrschule gegangen und am Mittwoch der nächsten Woche hatte ich bereits wieder den Deckel.

Das erste Vorstellungsgespräch war witzig. Ja, die Dame des Personalleasingbüros war anfangs begeistert. Zweifacher Werkmeister, Automatisierungstechniker und bei General Motors und bei Thyssen Deutschland auch schon gearbeitet? Das hat auch nicht jeder vorzuweisen der in Haft war. Zurzeit bin ich Facility Manager und würde auch wieder im Schichtnetrieb arbeiten. Es lief wirklich alles gut bei diesem Gespräch, bis es zur Frage : „Was haben sie von 2007-2015 gemacht?“ kommen musste.

Ich ließ mir Zeit, und wollte diesen Moment einfach genießen. Es schossen mir alle Idioten in den Kopf, die mir geraten hatten, einfach ehrlich zu sein – vom Mittersteig über Floridsdorf bis zum AMS: „Herr Schober, sein sie einfach ehrlich!

Ja, und das war ich dann: „Von 2007-2015 war ich im Irrenhaus am Mittersteig.“ Ha, ha, völlige Gesichtsentgleisungen bei meinem Gegenüber. Es dürften Gedanken wie: „Jessas na, a Irra.“gewesen sein. Die Dame hatte sich aber schnell wieder gefasst und sagte nun höflich aber bestimmt: „Herr Schober es tut mir echt leid aber der Auftraggeber such jemand Unbescholtenen.“ „Ja, versteh ich“ war meine Antwort. „Soll ich ihnen die noch fehlenden Unterlagen, wie die zwei Meisterbriefe nachbringen?“ war meine heimtückische Frage. „Nein Herr Schober, die brauche ich nicht mehr.

So viel zur Realität der Resozialisierung. Dieses Wort ist vermutlich der geistig größte Dünnschiss den ich kenne.

Ich kann seit zwölf Jahren keine Nacht durchschlafen! Wenn ich fünf Stunden schlafe, und das auf zweimal, dann ist das schon viel. Und ich hatte schon meine Invaliditätspension. Aber weil mich der Mittersteig für den ersten Arbeitsmarkt laut Vollzugsplan vorgesehen hat, musste ich mir Arbeit suchen. Glauben Sie mir: mit meinem Nervenkostüm eine wahrer Horror. Und das ist die eigentliche Frechheit: Die Personen die in Invaliditätspension waren, fallen bedingt durch ihren Aufenthalt am Mittersteig wieder raus. Und siehe da, sie bekommen sie auch nicht mehr. Jetzt endlich verstehe ich, wie am Mittersteig gearbeitet.

Ich habe schon mit meiner Webcam Aufzeichnungen für die Nachtwelt gemacht, um aufzuzeigen, was die mit einem aufführen. Von denen wäre keiner in der Lage einen Monat am Bau zu arbeiten. Und hätten sie keine andere Wahl, wäre vermutlich die Hälfte der hoch angesehen Beamten und Beamtinnen vermutlich arbeitslos, kriminell oder ein Sozialfall. Aber eines können die Herrschaften ziemlich gut: sich einen Dreck um Menschen kümmern! Vom Mittersteig bis über Floridsdorf und weiter in der WOBES (Anm. Nachbetreuungseinrichtung, Verein). Die wollten doch glatt von mir Geld kassieren, nachdem ich entlassen war. Nicht schlecht: 750 Euro bekomme ich Arbeitslose und jeden von den Herr Sozialarbeitern war es scheißegal, wie ich für zwei Wohnungen die Miete bezahlen soll.

Ich bin dann auch mit dem Kodex ins Büro der Einrichtung runtergegangen und habe ihnen Paragraphen vorgelesen. Seither weiß ich, dass sie sogar  zu blöd zum Lesen sind. Ich hatte Gott sein Dank Anwälte an meiner Seite, die mir dabei halfen. Es nützte auch nicht, dass ich gesagt habe: „Ich habe bereits mit meiner Richterin, Mag. Höpler-Salat, darüber gesprochen.“ Also die WOBES erhält jeden Tag dafür, dass ich hier wohnen muss ca 100 Euro. Sie tun für mich im Gegenzug dafür einen Scheißdreck! Ich muss nur Meldung machen, damit mein Sozialarbeiter, Roger Mührmann, das Gefühl hat, er ist nicht unnötig. Ich mag ihm sehr, denn ich mit „Gastarbeitern“ aus Deutschland schon am Mittersteig nur „beste“ Erfahrungen gehabt…

Meine Realität schaut so aus. Zuerst nutzt man mich als billigen „Justizsklaven“ im Häfen aus, dann nutzt uns die WOBES aus. Und wenn ich ein normales Leben führen will, scheißt die Gesellschaft auf mich. Nicht das mich das großartig enttäuscht. Ich scheiß auch auf die Gesellschaft, seit mir die drei wild gewordenen Weiber (das ist eine eigene Geschichte) mit Lügen die Maßnahme verpasst haben! Denn wer diesen Müll an Lügen, der bei meiner Verhandlung abgelaufen ist glaubt, ist vermutlich noch für einen Trottel zu deppert. Aber ich muss ja in Österreich bleiben, damit sich vom Sozialarbeiter, über Therapeuten, bis zum FTZW alle noch eine goldene Nase an mir verdienen.

Deshalb werde ich mir das noch einige Zeit geben müssen. Denn diesen Menschen ist es kaum begreiflich zu machen, wenn man jede Woche zum Sozialarbeiter, zum Bewährungshelfer, zur Therapie und zum Forensischen Zentrum gehen muss, was ja jedes mal drei Stunden Zeit braucht, ist man für Arbeitgeber nicht mehr tragbar, denn man fehlt ja bis zu neun Stunden jede Woche.

Deshalb mein Vorhaben für meine ungewisse Zukunft: Ich bin für euch menschlicher Müll und der Mittersteig und die Anhaltung im Maßnahmenvollzug hat alles dazu beigetragen, dass es jetzt so ist. Aber ich schätze euch da im Justiz-Apparat auch nicht besser ein. Und warum ich Österreich nicht verlassen darf? Damit ihr arbeitsscheues Gesindel auch weiter beim Eierhutschen euer leicht verdientes Brot bekommt.

Suche Arbeit, mache aber nicht Alles!

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