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Wir glauben, dass wir offen auf Probleme zugehen. Das Gehirn lenkt die Aufmerksamkeit aber immer unbewusst dorthin, wo Bekanntes abgespeichert ist. Wie aber kann man aus diesen Automatismus ausbrechen? Man kann sich einerseits den Effekt bewusst machen. Und andererseits Urteile und Befunde anderer am besten gar nicht ansehen. So bleibt der Kopf für Neues frei. Das erlaubt auch Juristen und Ärzten ein freies Urteil. Wie soll man einem Menschen, der einen Fehler begangen hat, zeigen, dass man ihn durchschaut hat? Indem man zurückschlägt. Nur das Erkennen der Fehler bedingt eine Korrektur. Wir alle
sollten unseren optimalen Weg finden, so wie wir ihn am besten gehen können. Dabei sollen wir uns weder verwirren, noch beeinflussen lassen. Wenn jeder von jedem alles wüsste, würde jeder jedem gerne verzeihen. Diese markante Aussage findet in ihrer Totalität sicher nicht den Zuspruch aller. Doch sie macht auf einen entscheidenden Gesichtspunkt aufmerksam: Menschen haben meistens Gründe für ihr Handeln. Je besser ich die Umstände und Motive verstehen, die eine andere Person zu ihrem verletzendem Verhalten geführt hat, umso eher werde ich ins Auge fassen, ihr die Sache nicht mehr nachzutragen.

Um Missverständnisse zu vermeiden, sei betont: Vergeben darf nicht mit Druck oder Entschuldigungen verwechselt werden. Wenn ich die Beweggründe eines anderen nachvollziehen kann, heißt dies weder, dass ich diese damit auch rechtfertige, noch dass ich das Verhalten entschuldige oder dulde.Wohl aber können durch die Perspektivenerweiterung Empfindungen wie Groll oder Verachtung langsam abflachen.
Mein Blick auf den Übeltäter wird verständnisvoll und ich bin eher bereit, die Sache „gut sein“ zu lassen.Die Wahrnehmung einer Person, die mich verletzt hat, kann weiter und realistischer werden, indem ich verschiedene Gesichtspunkte berücksichtige, etwa die konkrete Verletzungssituation: Wie sahen die Umstände der Person zu der Zeit aus, als es zu ihrem kränkenden Verhalten kam? Auch die Lebensgeschichte und der Charakter meines Gegenübers braucht Berücksichtigung. Darüber hinaus ist es wichtig, sich in Erinnerung zu rufen: Jedes Verhalten kann unterschiedlich gedeutet werden. Somit
kann sich jemand durch eine Tat verletzt fühlen, die der andere gar nicht so „gemeint“ hat. Das Faktum, dass wir uns verletzt fühlen, bedeutet ja noch nicht, dass wir tatsächlich Opfer eines Unrechts sind. Manches, was tief gekränkt hat, geschah möglicherweise aus Gedankenlosigkeit oder entpuppt sich als ein Missverständnis. In der Regel gehören zu einem Kränkungsdelikt mindestens zwei.

Diese Aussage ist in ihrer Allgemeinheit leicht zu bejahen, doch sie im konkreten Leben zu beherzigen fällt ungleich schwerer. Es gibt offenkundig eine Rechthaberei in der menschlichen Seele, die nichts mehr scheut als das Eingeständnis – und sei es auch nur vor sich selbst -, an einem verletzenden Eklat Mitverantwortung zu tragen. Der
psychische Gewinn einer solchen Haltung liegt auf der Hand: Je mehr ich unter den Fehlern anderer leide, desto weniger leide ich unter meinen eigenen. Für den Prozess des Vergebens ist es unabdingbar, sich selbst realistischer wahrzunehmen. Natürlich ist es weder angenehm noch einfach, die eigene Mitverantwortung am Kränkungskonflikt zu erkennen und anzuerkennen. Doch je mehr einem die eigenen Anteile bewusst werden, umso leichter kann man den Weg der Vergebung gehen. Ja, vielleicht entdecke ich sogar, dass ich dem anderen gar nicht so viel zu vergeben habe, wie ich bislang glaubte.
Franz von Liszt hat 1905 eine wichtige Arbeit in zwei Bänden geschrieben, in der er die ganze Jurisprudenz und Themenbildung über das Recht, Menschen zu verurteilen im Namen von Menschen und gar im Namen Gottes, ad absurdem führt. Nie wird irgendjemand abzuschrecken sein durch irgendeine Strafe. Wenn die Nerven ruhig sind und die Gedanken klar, dann mag man darzulegen, ob man die Bank von England knackt oder nicht, aber nicht, wenn es menschlich um etwas geht. Da wird niemand abgeschreckt, nicht einmal durch die Todesstrafe. Albert Camus hat vor Jahren einen seiner leidenschaftlichen Essay gegen die Todesstrafe gerichtet: Wie kann man denken, einen Menschen von seiner Tat abzuhalten, indem man das Subliment, was er selber tun kann, in den Rechtskodex aufnimmt: das Töten von Menschen? Und selbst die Alternative, die strafweise Inhaftierung, bringt ebenfalls keine Besserung.

Was sagen Häftlinge zu ihrer Haft: „Gebessert wird hier niemand. Was für ein Unsinn. Wir sollen mündige, freie Menschen werden. Doch wir können keinen Brief schreiben, ohne dass sie die Kamera draufhalten. Man hält uns wie dressierte Paviane, das ist ihr Rechtssystem. Wem dient das Ganze? Man kann noch lernen, was man selbst noch nicht weiß.“ Die Leute aus der Justizvollzugsanstalt hörten sich das an, nickten bejahend und wussten auch keine Antwort auf diese Frage. Da liegt das Problem! Mit disziplinären Maßnahmen, mit dem Ausgrenzen und Ausschließen und dem schnellen Verurteilen mann man vorsichtig sein. Man zerstört nur die guten Ansätze im Menschen. Am traurigsten ist, das Niveau geht immer tiefer und tiefer. Die Transzendenz mit Haft abzudecken führt zur Abwanderung in den Islamismus oder zu Sekten. Das ist verantwortungslos und kriminell! Das hat mit Recht und Gesetz nichts mehr zu tun.

Ich musste verurteilt werden. In meinem Fall wäre die Todesstrafe besser gewesen. Durch Lügen wurde die Wahrheit vertuscht – Rechtsbeugung, Rechtsverweigerung und Prozessbetrug, Verletzung des Rechtsschutz vom Gericht, bewusste Falschmeldungen in Umlauf bringen, Beweismittel fälschen. Opportunisten als psychedelischer SuperGAU.
Ich bin mit einer guten Portion Sturheit gesegnet. Ich werde nicht dem dienen, an das ich nicht mehr glaube, ob es sich nun mein Heim, mein Vaterland oder meine Kirche nennt.
Alexander Lernet-Holenia teilt die Menschen nur in drei Kategorien ein: „Solche, die schon gesessen sind, andere, die gerade sitzen, und schließlich jene, die noch sitzen werden.

Pressefreiheit und Verbotsgesetz halten einander auch in einer Demokratie die Waage.
Im rechtzeitigem Erkennen des falschen Weges erweist sich der Instinkt oder der Intellekt eines Schaffenden. In diesem Fall ist der Weg zurück ein Fortschritt. Was bleibt ist die Erkenntnis: Irrsinn kennt keine Grenzen, kennt kein Geschlecht, kennt keine Religion, kennt keine Hautfarbe, kennt keine Nationalität. Das macht den Umgang mit dem Wahnsinn zwar nicht leichter, sollte andererseits aber keine Angst machen. Und schon gar nicht sollten Verbrechen für Hetze missbraucht werden, um Feindbilder zu schüren. Weil diese Verbrechen nur eines wirklich machen: SPRACHLOS!

Dazu ein Heraklit-Spruch: Die einzige Konstante im Leben ist die Veränderung. Alles Schutt und Asche. Alles Rauch und Staub. Alles Trick und Masche. Alles welkes Laub. Nicht die Asche hüten, das Feuer schüren. Wenn der Wind weht, bauen die einen Mauern und die anderen Windräder.
Man muss auch manchmal Spaßbremse und Grenzsetzer sein. An wem sollten sich die anderen sonst erproben und den Umgang mit Frustration lernen? Sie sind wohl das Role- Model der Laissez-faire-Erziehung, bei der man weder gesellschaftliche Regeln noch Normen oder Gesetze kennen lernt.

Essay von Dr. Horst Baumgartner, JA-Asten

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