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Unser neuer Beirat, der Kriminalsoziologe Reinhard Kreissl, im Interview aus Blickpunkte 3/2015:

Der Maßnahmenvollzug mit unbeschränkter Haftdauer ist schwerste psychische Folter!

Der Maßnahmenvollzug ist insgesamt nicht state-of-the-art. Man muss diese Zustände publik machen und darauf hinweisen, dass es nicht den Qualitätsstandards eines
Rechtsstaats entspricht.

Man kann die historische Entwicklung des Strafvollzugs natürlich so sehen, dass es viele Verbesserungen gab. Heute gibt es Strafvollzugsgesetze und Rechtsvertretungen.  Andererseits ist gleichzeitig der Zugriff des Staates auf die Menschen größer geworden. Früher saß man zum Beispiel fünf Jahre im Zuchthaus und kam wieder heraus. Heute gibt es Psychologen, Psychiater und Sozialarbeiter, die einerseits Gutes tun aber andererseits dem Menschen auf die Pelle rücken. Es wird nicht nur mehr der Körper bestraft, sondern die Seele wird begutachtet. Es ist zwar alles immer besser geworden und jeder Häftling hat Strom, Licht und Bett, aber gleichzeitig ist der Zugriff auf die Person intensiver geworden. Von der Hexenverfolgung bis zum Mittersteig wurde alles besser, aber die Freiheiten, die Häftlinge jetzt haben, wurden erkauft mit einer Form von Unterwürfigkeit, die es früher nicht gab. Heute wird, wie der französische Philosoph Michel Foucault einmal sagte, die Seele bestraft.

 

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