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Ein Aufsatz von DDDr. Franz Langmayr

§ 69 StVG spricht von Heilbehandlung, die zwangsweise angewandt werden darf. Nun ist aber die Behandlung mit Neuroleptika, wie sie auf sehr viele Häftlinge nach § 21 Abs. 1 und auf immer mehr Häftlinge nach § 21 Abs. 2 angewandt wird, nicht eigentlich eine Heilbehandlung. Wie der Herr Anstaltsarzt zugibt, handelt es sich um eine Behandlung am Symptom, eben zur Bekämpfung von Wahnvorstellungen und innerer Unruhe. Die Rechtfertigung dafür – so der Herr Anstaltsarzt – liegt darin, den Häftling für Behandlungen psychotherapeutischer Natur zugänglich zu machen.

Dazu ist zu sagen, dass in der täglichen Praxis schon sehr viel gewonnen wäre, würde neuroleptische Behandlung nur im Zusammenhang mit anderen Behandlungen angewandt. Die Praxis ist jedoch weitgehend die der Depotspritzen mit wochenlanger Wirksamkeit ohne jeden Zusammenhang mit anderen Behandlungsformen. Es entsteht der Eindruck, dass hier ebenso wie bei vielen Insassen von Seniorenheimen, Häftlinge chemisch ruhig gestellt werden, damit sie weniger Arbeit machen, was zu einer wirtschaftlich angeblich unverzichtbaren, Einsparung von Personalkosten führt.

In einer kürzlichen Entscheidung spricht das deutsche Bundesverfassungsgericht von einer Zwangsbehandlung auch dann, wenn dem Häftling für den Fall, dass er der Behandlung nicht freiwillig zustimmt, Übel in Aussicht gestellt werden, wie zB die Unmöglichkeit seiner alsbaldigen Haftentlassung. In diesem Zusammenhang spricht das deutsche Bundesverfassungsgericht auch von einem Recht des Häftlings auf Krankheit.

Die Haft, so das Bundesverfassungsgericht, sei nur wegen der Gefährlichkeit des Häftlings verhängt, nicht wegen dessen Krankheit. Sofern nun die Gefährlichkeit eine Folge der Krankheit ist, folgt daraus auch ein Recht des Häftlings auf Gefährlichkeit, nicht aber auf deren Ausübung. Dies ist insofern problematisch, als die Haftunterbringung des Häftlings dem Staat Geld kostet, derzeit ca. 300 Euro am Tag, bei Unterbringung in psychiatrischen Krankenhäusern noch mehr.

Hinter dem Recht des Häftlings auf Krankheit verbirgt sich jedoch mehr: Niemandem kann man ernstlich den Wunsch unterstellen, auf Dauer krank oder so gefährlich zu sein, dass dauernde Inhaftierung notwendig ist. Vielmehr geht es um eine Wahlfreiheit der Behandlungsmethode, man kann sogar sagen der Philosophie, die der Behandlung zugrunde liegt. Die herrschende Lehre der Schulmedizin und mit ihr die herrschende Praxis in Justizanstalten, geht von einer chemischen Schiene aus, wie sie von der Pharmaindustrie systematisch gefördert wird: Danach ist der menschliche Körper ein durch die Gesetze der Physik und der Chemie bestimmter Organismus.Der Geist ist demnach ein Produkt der chemischen und physikalischen Vorgänge, die sich in diesem Organismus abspielen.

Dem gegenüber haben wir es heute mit einer sich immer weiter verbreiternden Schiene der Energetik zu tun. Schon gibt es in Österreich mehr Energetiker als Ärzte und ein steigendes Interesse an deren Tätigkeit. Nach dieser Weltanschauung ist der Mensch seinem Wesen nach geistig und Energie ist etwas wie das fehlende Bindeglied zwischen Geist und Materie. Das wache Bewusstsein steuert die bewusst zu betätigenden Körperfunktionen, das Unterbewusstsein steuert alles übrige im Körper. Dabei wird das Unterbewusstsein von den Denkgewohnheiten des wachen Bewusstseins geformt. Krankheiten gehen demnach vom wachen Bewusstsein und vom Unterbewusstsein aus und lassen sich – mit hinreichend Geschick und Willenskraft – vom Bewusstsein her bekämpfen. Da wären wir wieder bei der Psychotherapie und beim Einsatz chemischer Medikation höchstens zu deren Unterstützung.

Das heißt nicht, dass man beim heutigen Wissenstand den sprungartigen Übergang von der chemischen Medizin auf Energiemedizin fordern kann. Es bedeutet aber, dass einer Entwicklung in solche Richtung das Tor möglichst weit geöffnet werden soll und das geschieht unter anderem dadurch, dass dem einzelnen Patienten, Seniorenheiminsassen wie auch Häftling, das Menschenrecht der freien Wahl der Behandlung und damit der gesamten Behandlungsschiene zuerkannt wird.

Für die künftige Entwicklung ist davon auszugehen, dass sich die heutige Schulmedizin mehr und mehr Hand in Hand mit der zurecht so genannten Komplementärmedizin entwickeln wird. Wesentliche Exponenten einer solchen friedlichen Entwicklung – die auch der Industrie auf die Dauer großen Raum geben wird – sind Autoren wie Deepak Chopra, Bruce Lipton und Gregg Braden (alle auf YouTube zu hören). So unterstützt humanitäre Rechtsauslegung den wissenschaftlichen Fortschritt.

 

Ergänzung von Christine Langmayr, BA

Stellungnahme zum Thema
Eine psychische Störung ist weniger eine Krankheit als ein Prozess, der in einem Menschen arbeitet, um Traumata zu verarbeiten. Die heutigen Psychopharmaka sind nicht darauf ausgerichtet, diesen Prozess gewähren zu lassen, sondern ihn zu unterbrechen, um den Menschen wieder gesellschaftsfähig zu machen beziehungsweise ruhig zu stellen. Die bessere Methode ist es, dem Menschen den Raum zu geben, den er oder sie braucht, um sich auszudrücken ohne auffälliges Verhalten als unangebracht zu verurteilen und zu unterdrücken.

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