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Ein Beitrag von Christian Schober aus unserer aktuellen Ausgabe des Blickpunkte-Newsletters:

Viele glauben, die Selbst- und Interessensvertretung zum Maßnahmenvollzug (SiM) ist in den Krieg gezogen und alles, was Strafe und Maßnahme betrifft, sei in unseren Augen schlecht. Zugegeben, anfangs dominierten die „Bad News“. All unsere Zeitungen funktionieren leider auch so: „Bad News are good News“. Es entspricht aber nicht meinem Wesen, nur alles negativ zu sehen, und für mich macht eine Nachricht erst Sinn, wenn ich beide Seiten betrachte. Nicht, dass ich nicht Einiges zu bekritteln hätte, aber das hebe ich mir für schlechtere Zeiten auf. Wir von SiM sind für Verbesserungen in der Maßnahme, und auch wir wollen uns verbessern. Damit wir möglichst viele Menschen erreichen und damit unsere Anliegen gehört, gelesen und verstanden werden.

So möchte ich heute über meinem Sozialarbeiter, Herrn Gottschall berichten. Ich arbeite und melde mich zu den Terminen bei ihm. Es ist auch im Moment genug, vierzig bis sechzig Stunden zu arbeiten, die Therapie fortzusetzen, und noch die eigene Wohnung herzurichten. Er legt mir dabei keine Steine in den Weg.

Mir kam die Geschichte zu Ohr, dass ein entlassener Untergebrachter seine Alimente nicht zahlen konnte. Miete und Kosten sind so hoch, dass die berechtigten Forderungen nicht zahlbar wurden. Da kommen wir zu Frau Katzberger, einer Sozialarbeiterin der WOBES mit enormen Durchsetzungsvermögen. Bedingt durch ihr Engagement, wurden die Alimente auf ein, für den Kollegen leistbares Niveau gesetzt. Der Kollege hat als Krankenpflegehelfer das schwere Los mit Vorstrafe keinen Job zu finden. Und da sind es wir von SiM, die dem Kollegen moralisch unter die Arme greifen. Es ist nicht zu verstehen, dass man nach der Maßnahme noch 10 Jahre lang keinen guten Leumund bekommt. Wer sich das ausgedacht hat, hat keine Ahnung von Resozialisierung. Nach einem Gespräch und ein paar Ratschlägen fängt der Kollegen bei einer Leihfirma zu arbeiten an. Nun ist er glücklich, und wenn alles gut geht, kann er auch bald seinen Kindern die vollen Alimente zahlen.

Wir sind zwar angeblich „geistig abnorm“, aber sicher nicht blöd, wie auch unsere Widersacher schon gemerkt haben werden. Wir sind nicht mehr allein dem System auf Gedeih und Verderb ausgeliefert. Wir sind aber auch kein Verein, der sich von Maßnahmenpatienten zu ihren Zwecken ausnützen lässt. Wo Missstände sind, werden wir sie schonungslos aufdecken, wo Dank und Anerkennung angebracht ist, werden wir uns bedanken. Wenn wir uns irren, werden wir uns entschuldigen. Aber wir haben auch keine Angst vor irgendwem – jedoch Respekt vor jedermann.

Deshalb diesmal DANKE an Herrn Gottschall und DANKE an Frau Katzberger von der WOBES!

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