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Anm: Wir veröffentlichen regelmäßig unkommentierte Briefe die uns aus den Anstalten des Maßnahmenvollzugs erreichen.

Machtspielchen oder doch Sadismus … diese Frage stelle ich mir schon seit einiger Zeit.

Mein Name ist Roman H., ich bin Sexualstrafstäter und seit Juni 2009 in Haft.

Für meine Taten habe ich ein Strafmaß von 7 Jahren und die Weisung in eine Anstalt für geistig abnorme Rechtsbrecher nach §21/2 kassiert.

Es hat etwas Gutes an sich, weitere Straftaten sind somit ausgeschlossen, andererseits fällt es mir schwer zu akzeptieren, dass es mit dem §21/2 nicht bei den 7 Jahren bleibt, denn mittlerweile bin ich knapp 15 Monate über den zu rechtskräftig verurteilten 7 Jahren darüber und habe noch keine Vollzugslockerungen.

Uns somit sind wir auch schon beim richtigen Thema.

Am 31. Mai 2017 fand meine bislang letzte Vollzugslockerungs(VZL)-Konferenz statt. Das war ein wichtiger Tag für mich und ich war wieder sehr nervös, aber ich hatte ein gutes Gefühl, da zwischen meinem Therapeuten und mir schon seit gut 2 Jahren alles nachvollziehbar ist und keine Fragen offen sind.

Ich fühlte mich gut darauf vorbereitet, um über meine Taten und das Drumherum zu sprechen, was natürlich nicht leicht war, da diese VZL-Konferenz hauptsächlich von Frauen geführt wurde. Jedoch kam es anders als erwartet.

Mir wurden genau 4 Fragen gestellt!

Aber nicht zu meinem Delikt, wie zum Beispiel … warum habe ich gerade diese Art von Delikt gewählt …

Eine Frage war: „Was hat sich bei Ihnen getan, welche Veränderungen gibt es bei Ihnen?“ Hab ich natürlich wahrheitsgemäß beantwortet.

… die nächste Frage: „Wie denken Sie, werden Sie in Zukunft mit Ihren Problemen und Ihren Gefühlen umgehen?“

Bis dahin okay, nachvollziehbare Fragen, aber um die nächste Frage aufzulisten, muss ich kurz erklären, wie diese zustande kam oder aus welchem Grund mir gerade diese gestellt wurde. Ich bekomme seit knapp einem Jahre von einer ganz besonderen Frau Besuch, diese ganz besondere Frau arbeitet ehrenamtlich für SiM (Selbst- und Interessensvertretung zum Maßnahmenvollzug) und ich muss gestehen, ich habe sehr schnell Gefühle für diese wundervolle Frau entwickelt.

Da ich mich verändert habe und über meine Gefühle und Probleme nun reden kann, habe ich dieser fantastischen Frau meine Gefühle gestanden. Diese Gefühle sind zwar nur einseitig, aber kein Problem, ich habe mich verändert und kann damit prima umgehen. Das Geständnis hat im Dezember 2016 stattgefunden und dieser einzigartige Mensch besucht mich auch heute noch regelmäßig und ich bin ihr dafür unendlich dankbar.

Dieser Punkt war auch Teil meiner Antwort zur ersten Frage. … und jetzt kommt’s …

…Frage 3 lautete: „Haben Sie dieser Frau schon einmal gesagt, dass Sie nicht wollen, dass sie Sie weiterhin besucht?“ WAS BITTE SOLL DAS?!?! Warum sollte ich diesen zusätzlichen sozialen Kontakt beenden, wie diese unglaubliche Frau für mich da ist, mir zuhört und mir so viel Kraft schenkt? Dazu kommt, dass diese Frau über meiner Vergangenheit Bescheid weiß und mich nicht verurteilt, sondern mir weiterhin vertraut!

… ich muss sagen, dieser Engel bedeutet mir sehr viel und ist mir als Mensch sehr wichtig geworden!!! Gerade ärgere ich mich wieder, wenn ich über diese idiotische Frage nachdenke. Wollte die liebe Frau Doktor auch nur ihren Senf dazu abgeben?

Aber es geht noch weiter und auch diese glorreiche Frage hat es in sich: „Herr H., wenn Sie sich heute über etwas ärgern und wütend sind, onanieren Sie dann …?“

GEHT’S NOCH? Klar, mag sein, dass solche Menschen existieren und so vorgehen, wenn sie sich ärgern, um danach irgendwie wieder runterzukommen. Aber bitte, ich beschäftige mich lieber mit dem Grund des Ärgers als mit meinem Penis.

So, das waren die vier, zum Teil geistreichen Fragen, und aus diesen fragwürdigen Fragen wurde nun ermittelt, ob ich meine Gefährlichkeit so weit abgebaut habe, um mir Vollzugslockerungen zu gewähren. Pustekuchen!!! Die Antwort kam eine Woche später. „Jaaaa, Herr H., das ist so schwer bei Ihnen, da sind noch so viele Fragen offen. Wir schicken Sie zur BEST!“ (Anm: Begutachtungsstelle für Sexualstraftäter des Justizministeriums) Okay, BEST … ich war sowieso darauf eingestellt, dass ich da hin muss, aber was soll der Rest?

Nach zweimaligem Nachfragen, was da so schwer sei und welche Fragen noch offen sind bzw. warum mir diese Fragen nicht gleich gestellt wurden, bekam ich bis heute keine plausible Erklärung. Somit hat es für mich den Anschein, dass sich keiner von diesem sogenannten „Fachteam“ für mein Weiterkommen interessiert und die Verantwortung weiterschiebt an die BEST.

Wie, um Gottes Willen, soll ich solchen Leuten vertrauen, wenn man mir ständig das Gefühl vermittelt, dass ich als Sch… Vergewaltiger hier am Mittersteig keine Chance habe? Ich bereue meine Taten zutiefst und schäme mich dafür, meinen Opfern so etwas angetan zu haben und hoffe, dass es jedem einzelnen heute besser geht.

Weiters stellt sich mir die Frage, wer gibt diesen Menschen, die sich Fachpersonal nennen dürfen, das Recht, mich bzw. auch andere hier am Mittersteig so zu bestrafen? Ich habe meine Strafe abgebüßt. Ich habe alle Therapien genutzt, um mich zu ändern und aus meinem Verhalten zu lernen und vor allen ein besserer Mensch zu werden.

Ich habe mich geändert und werde mich weiter entwickeln, um weitere Straftaten zu verhindern, aber dazu muss man mir erst mal die Chance geben, zu beweisen, dass ich mich geändert habe oder mehr Interesse an mir zeigen und nicht immer die Verantwortung auf andere schieben, denn ich habe für meine Vergehen die Verantwortung übernommen!

Ich bin froh, noch über einige soziale Kontakte zu verfügen, die mir sehr viel Kraft verleihen und bin jedem Einzelnen dankbar dafür, vor allem diesem ganz besonderen, wundervollen, fantastischen Engel, dessen Namen ich mit Stolz hier nicht verrate …! 😉

Gemäß dem Motto „Was mich nicht umbringt, macht mich nur härter“, mach ich weiter und lasse mich nicht unterkriegen.

LG vom Mittersteig

Roman H.

 

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