Buchtipps und Rezensionen

Jeder Mensch hat seinen Abgrund von Norbert NedopilNorbert Nedopil
„Jeder Mensch hat seinen Abgrund – Spurensuche in der Seele von Verbrechern“
Goldmann Verlag, ISBN: 978-3-442-31442-3

Norbert Nedopil, der 70-jährige „Star“-Psychiater der deutschen Gutachterszene war über 20 Jahre Leiter der Abteilung für forensische Psychiatrie an der Universitätsklinik München. Bislang ist Nedopil besonders durch zahlreiche Fach-Publikationen und Fernsehauftritte sowie als Gutachter in spektakulären Justiz-Fällen aufgefallen. Nun legt er mit dem aktuellen Buch das erste Sachbuch vor, das einer breiten Öffentlichkeit die Arbeit des Psychiaters nahebringt und teilweise die Ursachen von Kriminalität und deren Auswirkungen auf die Gesellschaft verständlicher macht.

Foto von Norbert Nedopil

Prof. Dr. Norbert Nedopil

In systematischer Unterteilung schildert der Autor anfangs den Ursprung der Täterpersönlichkeit. Er führt aus, dass es zwar kein Gewalt-Gen gibt, aber eine genetische Disposition, die in eine kriminelle Richtung lenken kann. Erforscht ist hier schon „die Bereitschaft zur Gewalt, zur Missachtung der Gefühle anderer und zur Neigung, Grenzen und Normen zu überschreiten.“ Nach der Analyse der Täterpersönlichkeit finden sehr detaillierte Abhandlungen zu Beziehungstaten, zur Wahrheitsfindung, zur Rolle der Medien und über die Faszination an Verbrechen im Buch ihren Platz. Manche Bereiche hätten den Stoff für ein eigenes Buch, so bleibt es beim Überblick. Nedopil schafft es die sehr komplexe Materie der forensischen Psychiatrie für einen Laien in verständliche Worte zu packen. So ist ein lesenswertes Sachbuch für an der Thematik Interessierte entstanden, das einen Einblick, und nicht mehr, in die menschliche Psyche und deren Abgründe ermöglicht.

 

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